Junge Berner Mode am «Loufmeter»
Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 21.06.2014

Artikel zum Thema
Vorbei an den Designerkleidern, an farbigen Foulards und gemusterten Stoffballen: Hinten im Kleiderladen würde Zara Nydegger an der Nähmaschine sitzen und Hosen kürzen, gäbe sie nicht gerade ein Interview. Die gelernte Damenschneiderin ist schon länger mit ihrem Label «Zaralita» bekannt. Ihre Werke sind so einzigartig, dass selbst Diebe auffliegen: Ein Mann sei in einer ihrer Jacken in Zürich erwischt worden, die in einem Laden in Zürich gestohlen worden sei. «Ich erkenne jedes Kleidungsstück von uns», erklärt die Bernerin. Sieht sie legal erstandene Stücke auf der Strasse, freut sie sich natürlich mehr.
Vor einem Jahr spannte sie mit ihrer Schulfreundin Mona Ulrich, ebenfalls Bernerin und ausgebildete Schneiderin, zusammen. Sie ist derzeit in Dortmund als Kostümbildnerin tätig.
Ihr neuestes Label «pierrot&pierrette» setzt auf Kleinstmengen und Handarbeit. Im August 2013 eröffneten sie gemeinsam mit zwei weiteren Berner Labels an der Münstergasse 35 ihren Laden Ooonyva. Eine gute Adresse für lokales Handwerk: «Hier kann man in mehreren Läden mitverfolgen, wie die Ware entsteht», erklärt die 32-Jährige.
Stehkragen und schlichte Formen
Ihren Namen haben sie, wie Französischschüler erahnen, vom Lehrbuch «Bonne Chance» übernommen. «Wie Pierrot und Pierrette gehen auch unsere Kollektionen auf Reisen», erklärt Nydegger. Die letztjährige Kollektion ist von einer Reise nach Santa Cruz in Mexiko inspiriert. Sichtbar ist das vor allem an den Details der Kleider. Beispielsweise sieht man am Rücken die gezackten Formen der Mariachi. Die neueste Kollektion «Milano» setzt auf Finessen wie Stehkragen, schlichte Formen in den Farbtönen Asphalt, Rot, Gold und Silber.
Wer hier einkauft, der greift wegen der lokalen Handarbeit tiefer ins Portemonnaie: Ab 140 Franken gibt es T-Shirts und Kleider ab 367 Franken. Der Preis rechtfertige sich, weil nicht nur das Nähen, sondern auch das Entwerfen der Kleider und die Stoffsuche Zeit brauchten. Am aufwendigsten seien die Herrenjacken: «Da investieren wir bis zu 40 Stunden, dafür kriegt man ein zeitloses Unikat», sagt Nydegger.
Am Samstag sind die Kleider von «pierrot&pierrette» nicht nur im Laden, sondern auch an der Open-Air-Modeschau «Loufmeter» zu sehen. 7 Models werden die Kollektionen von Nydegger und Ulrich präsentieren. Natürlich wird dann auch der zweite Kreativkopf des Labels, Mona Ulrich, in Bern sein. Wer will schon verpassen, wenn die eigenen Kollektionen auf der Strasse getragen werden.(Berner Zeitung)
Erstellt: 21.06.2014, 11:59 Uhr